Ich bin 16 Jahre alt. Sitze an meinem Schreibtisch und schaue aus dem Fenster. Meine Hand hält verkrampft den Stift, um die Umschläge für meine Bewerbungen zu beschriften. Ich werde rein müssen in dieses System. Es gibt keinen anderen Weg. In meiner Rachengegend schmecke ich eine Vorahnung. Das es da draußen doch noch etwas anderes für mich gibt. Für uns alle. Doch ich bekomme sie nicht zu fassen. Zurück bleibt nur ein Nachgeschmack – von Freiheit und den Ausdünstungen meines Eddings.

Wieder und wieder lege ich die Acrylkugel auf meinen Arm. Es passiert nichts besonderes. Es wirken einfach nur die grundlegenden physikalischen Gesetze. Sie fällt binnen Sekunden in Richtung Erdboden. Schwerkraft. Und noch einmal versuchen. Tage und Wochen vergehen so. Doch eines schönen Mittags rollt diese Kugel einfach auf meinem Arm entlang zur Hand. Geschmeidig und fließend. Beim nächsten mal lasse ich meinen Arm noch etwas mehr unter dem Ball hergleiten. Wow. Der Effekt wird noch besser. Noch am Tag zuvor hätte ich schwören können, dass es einfach nicht möglich ist, eine „Glaskugel“ auf dem Arm rollen zu lassen.

Wo beginnt unsere Welt und wo hört sie auf?

Alles was in unseren Köpfen als Gedanken vorhanden ist, alles was in unserem Unterbewusstsein als Prägungen gespeichert ist, wirft ein Licht ähnlich einem Projektor nach Außen und lässt uns die Welt wahrnehmen. Und wenn ich das so schreibe, erschaffen wir sozusagen unsere Welt.

Je negativer unsere Gedanken sind, je enger der Rahmen ist, den wir uns stecken, umso kleiner und schlechter erscheint unsere Realität. Weißt du was ich meine?


Ich will es kurz an einem Beispiel verdeutlichen.

Ein Mensch sitzt im Schneidersitz auf dem Boden. Vor ihm liegt ein Buntstift. Gegenüber sitzt ein Hund. Beide schauen auf den Stift.

Der Mensch möchte nach dem Stift greifen, doch der Hund ist schneller. Mit einem Habs ist der Stift in seinem Mund und er kaut vergnügt darauf herum. Der Hund hat sofort erkannt, dass es ein leckerer Kaustock ist.

Was ist der Gegenstand nun? Der Mensch sagt: Ein Stift, ist doch klar! Der Hund sagt: Ein Kaustock, ist doch klar!

Das, was in unserem Inneren vorhanden ist an Gefühlen und Gedanken, Prägungen und Mustern, formt unsere Realität. Hört sich verrückt an, ist aber letztlich einfach. Der Hund hat noch nie etwas von Schreiben und einem Werkzeug dazu gehört. Er sieht ein Holzstöckchen, das sich hervorragend zum Schärfen der Zähne eignet. Die Welt ist nicht aus sich heraus wie sie ist, sondern so, wie wir sie sehen!

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Was uns Menschen nun aber passiert ist, dass wir keinen Einfluss auf unsere Innenwelt nehmen und unser Gedankenrasen aus Vergangenheitserinnerungen und Zukunftsängsten, aus Selbstzweifeln und alten Glaubenssätzen aus der Kindheit ein absolutes Chaos durch den Projektor nach außen werfen. Unsere Welt ist schwer, vielleicht fühlen wir uns krank oder arm, die Menschen um uns herum oder auch unsere Arbeit gefallen uns nicht.

Mit dem Wissen, dass wir mit Bewusstsein daran etwas ändern können, ändert sich unsere Realität. Lasst uns aktiv unsere Welt gestalten – nicht wie ein Fähnchen im Wind von einer unerwünschten Situation zur nächsten flattern.

Ich habe in den letzten Jahren viel zu diesem Thema gelernt, einfach weil ich musste. Ich befand mich nämlich in einer ganz negativen Spirale. Heute sehe ich täglich, wie diese Bewusstseinsarbeit Früchte trägt <3!


Aber wo fangen wir an?

  1. Gedanken und Gefühle beobachten (wer beobachtet denn da? 

Zuerst nehmen wir uns vor, hin und wieder inne zu halten, wenn unsere Gedanken   gerade in einem Thema hängen bleiben. Wir sehen zu, was unser Gehirn da produziert. Und während wir das tun fällt uns etwas auf. Wer bin ich denn eigentlich? Wenn ich gerade meine Gedanken beobachten kann – bin ich auf jeden Fall schon mal nicht meine Gedanken. Das ist der Moment in dem wir Kontakt zu unserem Bewusstsein / unserer Seele / unseres wahren Selbst bekommen.

Wiederhole dies mehrmals täglich. Gedanken wahrnehmen, ziehen lassen, beobachten und realisieren, dass du nicht deine Gedanken bist.

2. Emotionen veratmen

Als nächstes wollen wir aufmerksam hinfühlen, wenn eine Emotion in uns aufsteigt. Und wenn so eine Situation da ist, in der dein Puls steigt, du die Zähne zusammen beißt oder einen traurigen Kloß im Hals fühlst, werde achtsam. Lenke deine ganze Aufmerksamkeit kurz zu deinem Herz und lasse die Emotion zu, die da kommen will und lass dich nun aber nicht über deinen Verstand und Gedanken verheddern. Atme mit dem Gefühl. Atme weich in dein Herz oder in die Gegend wo du die Emotion gerade spürst. Und dann lass los. Kein weiterer Gedanke in diese Richtung.

Der Sinn bei der Sache ist, dass wir uns nicht mit unseren Emotionen identifizieren und uns somit in einen Strudel verfangen. Meistens geschieht nämlich folgendes. Wir spüren eine Emotion aufwallen und unser Gehirn springt mit Erklärungen und Erinnerungen auf den Zug auf…..Das ist deswegen so! Dies und das ist nicht in Ordnung, deshalb… blablabla. Dieses Geplapper des Geistes führt uns nur zu nichts. Beobachten wir die Emotion und atmen kurz mit ihr und lassen dann alles weitere los, bringt uns in Sekunden wieder zurück zu einem zentrierten Zustand.

Auch dies wollen wir mehrmals täglich üben. Emotionen wahrnehmen, rein atmen, los lassen und realisieren, dass du nicht deine Emotionen bist.

3. Neuausrichtung durch Affirmationen und Visualisierung

Da wir unsere Gedanken nicht stoppen können – dafür ist unser Hirn schon zu sehr auf Kontrollkurs geprägt – wollen wir nun üben, nicht dem Verstand das Ruder zu überlassen, sondern aktiv mit zu steuern. Das gelingt uns durch Affirmationen (positive Sätze, die dich ermutigen, zentrieren und aufbauen) und durch Visualisierungen (kleine Tagträume mit allen Sinnen). Es gibt viele Wege dies umzusetzen und in den Alltag einzubauen. Hier ein paar Beispiele:

Schreibe dir kleine Zettel mit aufbauenden Sätzen, wie „Ich habe Vertrauen in den Lauf meines Lebens“ oder „Ich entfalte mein volles Seelenpotenzial“ oder „Ich bin ein Magnet für Fülle und Reichtum“ oder „Meine Gesundheit wird von Tag zu Tag, in jeder Hinsicht, besser und besser – usw. Hänge dir diese Zettel in die Küche oder klebe dir einen ins Portemonnaie.

Nehme dir ein schönes Büchlein und schreibe jeden Tag eine halbe Seite wie ein Drehbuch deines Lebens. Was wünscht du dir, was soll Realität werden in deinem Leben? Schreib so lebhaft wie du kannst und wiederhole dir im Geiste diese Vorstellung vor dem Schlafen gehen. Das wichtige dabei ist, dass du in der Gegenwart schreibst und visualisierst. Es IST bereits so, wie du es gerne hättest. Du sitzt bereits in deinem kleinen Landhaus mit Kräutergarten, riechst den Lavendel und hörst die Vögel zwitschern. Du gibst bereits Kurse über dein liebstes Hobby und erfährst dadurch Erfüllung und Reichtum. Was auch immer du dir wünscht – beim Visualisieren ist es bereits Realität!

4. Achtsamkeit / ein Leben für den Moment

Und nun vielleicht das wichtigste von Allem. Was haben wir tatsächlich in der Hand? Machen wir die Augen zu – dann wissen wir es. Das einzige was wahrhaftig ist, ist dieser eine Moment. Du liest gerade diesen Artikel, blinzelst, atmest. Spürst die Unterlage auf der du sitzt. Hörst Hintergrundgeräusche. Vielleicht beginnt dein Geist über das gelesene nach zu denken. Und dann kommt der nächste Moment.

Und so darf unser Leben fließen. In Vertrauen. Manchmal sind die einzelnen Momente eben nicht so wie wir sie uns wünschen, und wenn wir ehrlich sind, irgendwas ist immer. Unser Ego / Verstand hat immer etwas auszusetzen – irgendein Thema ist immer gerade dran! Aber genau deshalb wollen wir üben unseren Geist zu beobachten – und von dem Nörgler los zu lassen. Wieder in den Moment zu sinken. Um das Leben auszukosten. Jeden aufkommenden Moment als ein Geschenk der Erfahrung anzuerkennen.


Die Kontaktjonglage hilft mir immer wieder, die Grenzen meines eigenen Geistes zu sommerbeobachten. Was heute noch unmöglich scheint, wird morgen einfach gemacht. Und so würde ich meinem 16-jährigen Ich von damals heute ins Ohr flüstern wollen: Du hast recht, die Freiheit ist da. Und sie gehört dir. Du musst dich nur trauen sie anzunehmen!

Ich wünsche dir von ganzem Herzen Mut und viele, viele achtsamer, manchmal auch wundersamer Momente!

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